Linksverkehr

Falschrum im Linksverkehr

Vor dem Linksverkehr hatte ich anfangs großen Respekt, mittlerweile agiere ich in den engsten einspurigen Gassen sogar bei entgegenkommenden Bussen und riesigen Treckern aber recht souverän. Der englische Verkehr, wie er organisiert ist und funktioniert, erscheint mir um ein vielfaches sympathischer als sein deutsches Pondon. Zumindest hier in Cornwall, nach den kernigen Schotten gibt`s ein Update.

 

England setzt vornehmlich auf Kreisverkehr. Wer zuerst einfährt, hat Vorfahrt. Alle verstehen das und fahren auch nur, wenn sie an der Reihe sind. Ich finde es erstaunlich, dass ich ganze Kleinstädte durchfahren kann, ohne dabei auch nur einmal anhalten zu müssen. Und noch erstaunlicher finde ich, dass ich hier keine whatsappenden Fahrer sehe.

 

Straßen hier, besonders in ländlichen Gegenden, sind schmal und erfordern Geduld. Oft sind sie so eng, dass einer bei Gegenverkehr stoppen und den anderen erst vorbeifahren lassen muss. Es gehört zum guten Ton, dass sich der Vorbeifahrende beim Wartenden mit einem Handzeichen bedankt. Das läuft wirklich reibungslos und freundlich. Auf deutschen Straßen kann man das ja nicht feststellen. Oft werfen Vorbeifahrende aber auch hier Handzeichen zu. Es sind jedoch andere.

 

Verkehrsschilder in England sieht man recht selten, höchstens mal eins vor wirklich richtig fiesen Kurven. Man fährt zügig wenn man kann, und angemessen langsam wo man sollte. Alle sind vernünftig, keiner muss sich hier per Fahrstil darstellen. In Deutschland gibt es alle zehn Meter Hinweisschilder, gerne auch noch mit einer größeren Anzahl von unterschiedlich gerichteten und gefärbten Pfeilen sowie anhängenden Zusatz- und Ausnahmeregelungen aufgepimpt, sodass oft selbst ein Polizist nicht mal mehr versteht, worum es hier eigentlich geht.

 

Äußerst gefährlich im Linksverkehr sind Wendemanöver. Nach einer Drehung mit Vor- und Zurücksetzen passiert es bei leerer Straße, dass man wieder in alte Gewohnheiten verfällt und auf die rechte Spur einfährt. Das habe ich mehrmals beobachten können, und, ja, es ist mir selbst auch schon einmal passiert. Der Entgegenkommende kam gerade noch auf dem Seitenstreifen zum Stehen, sah mich verschreckt an und fuhr aber dann ohne große Gesten oder Gezeter weiter.

 

Selbst unter erschwerten Bedingungen also mit unsicheren und geisterfahrenden Touristen, engen und kaputten Straßen, ständigem Anfahren und Abbremsen, zurücksetzen bis in die Büsche und Straßen, die manchmal so steil geneigt sind, dass man glaubt, jeden Moment nach hinten oder vorne überzukippen, geht man in England rücksichtsvoll und geduldig miteinander um.

 

Im Straßenverkehr hat jeder von uns den häufigsten Kontakt mit unbekannten Mitmenschen. Er sagt daher sehr viel über den Umgang der Menschen miteinander und über den gegenseitigen Respekt aus. Offensichtlich haben die Engländer ein sehr positives Menschenbild und gestehen anderen Fahrern sogar Fehler zu.

 

Sollte mir das nun ein Vorbild sein? Definitiv! Und, das habe ich früher meinen Mitarbeiter/innen schon immer gesagt, macht nett sein ja auch viel mehr Spaß als scheiße sein.

 

 

Schreibe einen Kommentar